Die "Ziehharmonika" TA 253 / 254: Doppeleinheit aus modernen Auwärter-Aufbauten auf altbrauchbaren Brünigwagen-Fahrgestellen

Aktuelles 

In einem längerfristigen Projekt wird nach verfügbaren Kapazitäten an der Restaurierung des TA 254 gearbeitet. TA 253 wurde 2018/19 außen entrostet, grundiert und lackiert, und konserviert abgestellt. Die Stirnseite des TA 254 wurde schon im Sommer 2009 dem ursprünglichen Aussehen angenähert. Seit Winter 2019/2020 werden die Arbeiten fortgesetzt. Am Einstieg wurden Winkel und Blechverkleidungen ersetzt, einige Bleche an Tragegestellknoten entfernt, die Trägerprofile entrostet und grundiert, und die Blechverkleidung wieder ergänzt. Inzwischen sind sind an TA 254 alle Seitenfenster ausgebaut. Die Oberlichtschiebefenster werden von der Herstellerfirma in Wuppertal aufgearbeitet. Derzeit werden weitere Blecharbeiten durchgeführt. Der bei der Inselbahn Langeoog verschlossene rechte Einstieg wurde freigelegt. Sobald die passenden Falttüren verfügbar sind, wird dieser Einstieg wieder hergestellt. 

TA 254 in Aufarbeitung in Neresheim im Juli 2020. (Foto: Hannes Ortlieb)

Die "Hangseite" des TA 254: noch fehlt hier eine Tür, die beim Umbau für die Inselbahn Langeoog entfernt wurde, da auf Langeoog nur auf einer Fahrzeugseite Bahnsteige vorhanden waren. Dies würde bei uns bis zur Station Sägmühle zwar auch noch zutreffen, jedoch nicht mehr für Iggenhausen und Katzenstein. (Foto: Hannes Ortlieb)TA 253 mit farblicher Ausbesserung als Rostschutz im Inselbahndesign hinter der Dampflokremise. Auch hier fehlt genauso noch eine Tür. (Foto: Hannes Ortlieb)Die Bahnsteigseite mit dem noch teils erhaltenen Schriftzug der Inselbahn Langeoog. (Foto: Hannes Ortlieb)

Technische Daten

Typ ursprünglich 2 x B3i /  Heute B2y + B2y
Baujahre WN 11: 1892, WN 12: 1889; Aufbauten: 1963
Hersteller Fahrgestell: Schweizerische Industriegesellschaft / Aufbau: Auwärter 
Stationierungen Ursprungswagen neu an Brünigbahn 
1949 an Härtsfeldbahn - WN 11 und 12
1963 neue Aufbauten, nun TA 253 / 254
1973 an Amstetten Laichingen, abgestellt
1976 an Inselbahn Langeoog
2002 an Härtsfeld-Museumsbahn e.V., Neresheim
Länge über Puffer  2 x 9.850 mm, zusammen also 19.700 mm
Radstand  2 x 6.000 mm

Geschichte und Herkunft: Die modernen Triebwagenanhänger

Die Härtsfeldbahn, nach dem Krieg überbelastet und heruntergewirtschaftet, wurde aufgrund eines Gutachtens des Stuttgarter Verkehrswissenschaftlers Carl Pirath von 1953 unter Vorgabe der Modernisierung gerettet. Vorbei war es mit der Dampfbahnromantik, während bundeseigene Bahnen noch bis weit in die 60er Jahre mit Dampf-und-Holzklasse-Zügen betrieben wurden, beschaffte man für die Härtsfeldbahn zwei leistungsstarke und moderne Schlepptriebwagen - T 30 und T 31 von Fuchs - sowie zwei gebrauchte Triebwagen und zwei Beiwagen von der Kleinbahn Bremen-Tarmstedt (siehe auch den Eintrag zum erhaltenen T 33). Aber man benötigte auch moderne Personenwagen: 1954 bereits wurden die Fahrgestelle der Herbrandwagen 1 und 3 zu den TA 101 und 103 umgebaut. Später entstand auf Fahrgestellen von Brünigwagen die "Ziehharmonika" TA 253/254. 

Die beiden Triebwagenanhänger entstanden auf Basis der Fahrgestelle der Brünigwagen WN 11 und 12. Beide Wagen hatten bereits im Zusammenhang mit der Modernisierung der Härtsfeldbahn eine Stromleitung und eine Webasto-Heizung zum Einsatz hinter den Triebwagen erhalten. Mitte Mai 1962 wurden die Holzklasse-Wagenkästen abgebrochen. Die neuen Aufbauten entstanden im Herbst/Winter 1962/1963 bei der Firma Auwärter in Stuttgart-Möhringen. Im Zusammenhang mit dem Umbau - erst nach Ankunft der umgebauten Wagen Ende Oktober 1962 - wurde die mittlere Achse ausgebaut, was etwas unverständlich ist, führte das doch zu schlechteren Laufeigenschaften. 

Die Wagen sind durch einen Übergang mit einem Gummiwulst wie bei den Umbauwagen der Deutschen Bundesbahn verbunden. Sie wurden vereinzelt aber auch einzeln verwendet, der Übergang kann dazu mit einem Rolladen geschlossen werden. 


TA 253/254 abgestellt in Neresheim, 20. April 1973. (Foto: Eckehart Molt)

Nach Stilllegung der Härtsfeldbahn kamen die Wagen Anfang Juni 1973 zur Nebenbahn Amstetten - Laichingen, blieben dort jedoch abgestellt. Im Februar 1976 wurden sie an die Inselbahn Langeoog verkauft. Für den Einsatz dort wurden die Aufbauten von der Firma Bremer Waggonbau um 30 cm verschmälert, die Einstiege einer Fahrtrichtungsseite verschlossen und an den Enden der Wagen Scharfenbergkupplungen angebaut. Untereinander blieben die Wagen mit der Härtsfeldbahn-Mittelpufferkupplung verbunden. Die Verschmälerung der Wagenkästen macht sich optisch am deutlichsten durch das einzelne Frontfenster im Gegensatz zum historischen Doppelfenster wie bei TA 101 und 103 bemerkbar. Von 1976 bis 1994 waren die Wagen als VB 5 und 6 dort im Einsatz. Nach dem Verkauf 1998 begann eine Odyssee. Gute Netzwerke, glückliche Umstände, beherztes Zugreifen und schließlich ein Lastwagentransport brachten die Wagen am 3. April 2002 nach Neresheim zurück. 

Eine ausführliche Zusammenfassung über die Brünigwagen und was aus ihnen wurde finden Sie hier

TA 253 als VB 6 auf Langeoog, 23. Juli 1994 (Foto: Jürgen Ranger)