Der Personenwagen HMB 7 ist unser ältestes in Betrieb befindliches Fahrzeug und unser Prachtstück im "Holzklasse"-Zug. 

Blick in die Holzklasse. Das kleinere Abteil im Hintergrund enthält die rekonstruierte Originalausstattung. (Foto: Dr. Walter Gekeler) Winteraufnahme 2016: Wagen HMB 7 in perfektem Zustand, aber eingeschneit (Foto: Ingo Adam)


Aktuelles

Hauptuntersuchung 2020. Im Winter 2019/2020 wurde der Personenwagen HMB 7 im Lokschuppen eingeschlossen und hauptuntersucht. Hölzerne Dachkanten und Dachrinnen wurden teilweise erneuert. Alle Fenster wurden ausgebaut, geschliffen und komplett neu lackiert. Am hölzernen Wagenkastengestell wurden einige Holzleisten im Bereich der Fenster erneuert. Die dazu abgenommenen Deckbleche wurden grundiert und wieder eingesetzt. Der Wagenkasten wurde wo notwendig entrostet, grundiert, und komplett neu lackiert. Die Plattformgeländer wurden ebenfalls entrostet und neu lackiert, eine Fisselarbeit, die extra Erwähnung verdient. Der Rahmen wurde untersucht, abgeschmiert und eine Bremsuntersuchung Br 3 durchgeführt. Durch die Corona-bedingten Einschränkungen zogen sich die Arbeiten länger hin als eigentlich gedacht. Die Hauptuntersuchung wurde am 26. Juni 2020 von unserem Eisenbahnbetriebsleiter Carsten Möckl abgenommen. 

 Leisten eneuert und grundiert (Foto: Ingo Adam) Lackierung und Fenstereinbau (Foto: Ingo Adam)


Wagen 7 im April 2020 im Lokschuppen Neresheim: Demontage der Leisten, Reparaturstellen mit Kreide angezeichnet (Foto: Hannes Ortlieb)

Der Wagen wurde dann nach der technischen Abnahme auch äußerlich fertig gestellt. Alles voll Staub: der Wagen musste innen und außen gründlich gereinigt werden. Nach der Grundierung und farbigen Bais - Lackierung folgt noch die Wetter- und UV- beständige Schlusslackierung. Wenn diese in Ruhe und gründlich ausgehärtet ist, das dauert etliche Wochen, da fuhr der Wagen schon etliche Male wieder mit seinen Kameraden ins Egautal, kommt ganz zum Schluss noch die Beschriftung.  

Finale Lackierung von Wagen 7 am 25. Juli 2020. (Foto: Hannes Ortlieb)

Schon wieder im Zugverband eingereiht - HMB 7 noch ohne Wagennummer und Beschriftung im Museumszug am 2.August 2020 (Foto: Ingo Adam)

Am Wagenrahmen ist aber schon das Untersuchungsdatum angeschrieben. Blitzblank geputzt sieht man nur an der Spiegelung, dass tatsächlich Glas in den Fenstern ist. 

Technische Daten

Typ B3i / ab 1918: C3i
Baujahr 1888
Hersteller Schweizerische Industriegesellschaft, Schaffhausen
Stationierungen 1888 - 1949 Brünigbahn
1949 - 1978 Amstetten - Laichingen WEG 7
1980 - 1998 DGEG Jagsttalbahn (der Wagenkasten befand sich schon seit 1974 im Jagsttal)
seit 1998: Härtsfeld-Museumsbahn, Neresheim
Länge über Puffer 9.850 mm
Wagenkastenbreite 2.600 mm
Radstand 3.000 + 3.000 mm
Dienstmasse 8 t
Anzahl Sitzplätze 40


Geschichte: Personenwagen-Bauarten der Härtsfeldbahn 

Die Härtsfeldbahn erhielt im Lauf der Jahrzehnte verschiedene Bauformen von Personenwagen: 

  1. zur Betriebseröffnung 1901 eine Grundausstattung aus sieben fabrikneuen vierachsigen, formschönen und bequemen Wagen der Firma Herbrand (Spitzname "Herbrandwagen")
  2. 1906 anlässlich der Verlängerung nach Dillingen vier zweiachsige und zwei vierachsige Gebrauchtfahrzeuge von der Filderbahn bzw. von der Rosndorf-Müngstener Eisenbahn aus dem Konzernverbund der Westdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (W.E.G.). Die Zweiachser waren ursprünglich auf der Stuttgarter Zahnradbahn - der "Zacke" - eingesetzt und haben daher den Spitznamen "Zackewagen". Die Vierachser waren in der Hauptwerkstatt der W.E.G. in Liblar aufgearbeitet worden und hatten daher den Spitznamen "Liblarer".
  3. 1949, nach der Währungsreform vier dreiachsige Gebrauchtfahrzeuge aus der Schweiz aus der Ursprungsausstattung der Brünigbahn, um beschädigte Fahrzeuge ersetzen und den verstärkten Personenverkehr bewältigen zu können ("Brünigwagen"). 
  4. 1956 zwei vierachsige Personenwagen der Kleinbahn Bremen - Tarmstedt, die zusammen mit den Triebwagen als Beiwagen zur Modernisierung der Härtsfeldbahn gekommen waren.
  5. Auf den Fahrgestellen zweier Herbrand- und zweier Brünigwagen entstanden 1954/1955 bzw. 1962/1963 Triebwagenanhänger, indem diese - optisch den Triebwagen angepasst - einen neuen Aufbau der Firma Auwärter erhielten. 

Die noch erhaltenen bzw. baugleiche Fahrzeuge sind heute wieder in Neresheim anzutreffen. Mit Ausnahme der gebraucht erworbenen Vierachser sind größtenteils alle Bauarten in den Museumszügen im Einsatz. Sie sollen nun hier im Detail vorgestellt werden.

Personenwagen der Härtsfeldbahn: links WN13 und 11 (Brünigwagen) rechts WN 6 und 7 (Herbrandwagen aus der Erstausstattung) (Foto: Sammlung Kurt Seidel)

Die Brünigwagen

1949 verkaufte die Schweizerische Bundesbahn (SBB) insgesamt sechs dreiachsige Wagen der meterspurigen Brünigbahn Luzern - Meiringen - Interlaken nach Württemberg. Vier dieser Wagen kamen zur Härtsfeldbahn, die restlichen zwei gelangten zur Nebenbahn Amstetten - Laichingen.

Bereits 1888, als auf dem Härtsfeld noch niemand an die konkrete Realisierung eines Bahnanschlusses dachte, nahm die Jura - Bern - Luzern-Bahn (JBL) den Betrieb auf der Brünigbahn mit insgesamt 32 dreiachsigen Personenwagen auf. Durch weitere Nachbeschaffungen erreichte der Bestand schließlich 93 Wagen mit einem Sitzplatzangebot von rund 3200 Plätzen. 

Es handelte sich dabei um Wagen unterschiedlichster Typen: vom Polsterklasse-Wagen mit üppiger Innenausstattung bis zum bescheidenen Drittklass-Wagen waren alle Abstufungen anzutreffen. Alle Typen besaßen das gleiche dreiachsige Untergestell, wobei die mittlere Achse in einem besonderen Rahmen seitenverschieblich angebracht war und ein Bremszahnrad für die Zahnstangenabschnitte zwischen Giswil und Meiringen aufwies. 

Mit dem Bau der Wagen hatte die JBL die Schweizerische Industriegesellschaft in Neuhausen (CH) beauftragt. Viele Einzelteile des Fahrgestells wie Achsen und Bremsbestandteile wurden "en gros" von der Firma van der Zypen in Köln bezogen. Die Wagen hatten bei einem Platzangebot von 24 bis 40 Sitzplätzen ein Leergewicht von 7 bis 8 Tonnen. Der Radstand der knapp 10 Meter langen Wagen betrug 6 Meter. Heizungen gab es nur in Wagen, die auch im Winter verwendet wurden. Das Wageninnere wurde durch Petroleumlampen erhellt. 

Mit der Inbetriebnahme von bequemeren Vierachswagen begann ab 1926 die Ausrangierung der Wagen. Durch die Inbetriebnahme von Leichtmetallwagen zwischen 1945 und 1948 verringerte sich der Bestand deutlich. 1955 wurden schließlich die letzten Dreiachser ausrangiert. Einige haben sich als Dienstwagen bis in die jüngste Zeit gerettet. Die Ballenberg-Dampfbahn (Interlaken) hat vier Wagen in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Bei der Touristikbahn Blonay - Chamby am Genfer See findet sich ein weiterer Wagen.

Die vier Wagen für die Härtsfeldbahn wurden 1949 angeliefert und so schnell wie möglich in Betrieb genommen. Die mittlere Achse mit dem Bremszahnrad war vermutlich schon in der Schweiz gegen eine normale Achse getauscht worden. Die Wagen wurden mit der auf dem Härtsfeld üblichen Zug- und Stoßvorrichtung versehen. Schadhafte Stellen an den Wagenkästen wurden ausgebessert. Die SBB-Beschriftung wurde übermalt. Schließlich erhielten die Wagen die Nummern 10 bis 13 und konnten damit in Betrieb gehen.

Die Nummer der Wagen hatte sich im Lauf der Jahre mehrfach geändert:

Baujahr JBL ab 1890 ab 1905 zw. 1915  u. 1920 WN / WEG als Beiwagen
1889 461 1161 211 639 6 7
1888 458 1158 208 648 7 6
1888 453 1153 203 646 10 -/-
1892 -/- 1172 222 652 11 253
1889 463 1163 213 636 12 254
1889 460 1160 210 638 13 -/-


Im Zusammenhang mit der Verdieselung der Härtsfeldbahn wurden die Wagen in den Jahren 1956 bis 1960 modernisiert. Eine neue durchgehende Stromleitung wurde eingebaut. Damit war die heimelige Zeit der Petroleumfunzeln vorbei. Für wohlige Wärme sorgte von nun an eine WEBASTO-Heizung. Auch die Dächer der Wagen wurden in diesem Zeitraum gerichtet.

Im Mai 1962 wurden in Neresheim die Wagenkästen der beiden Wagen 11 und 12 abgebrochen. Die Fahrgestelle wurden am 2. Juli 1962 zur Firma Auwärter in Stuttgart-Möhringen gebracht, die diese bis Ende Oktober 1962 mit neuen Wagenkästen versah. Die Vervollständigung der Fahrzeuge - unter anderem wurde die elektrische Anlage vervollständigt - erfolgte den Winter über in Neresheim. In diesem Zusammenhang baute man bei den Wagen die mittlere Achse aus. Dem dadurch verschlechterten Fahrverhalten versuchte man durch stärkere Blattfedern entgegenzuwirken.

Das eine Ende der Wagen war wie die vierachsigen Beiwagen 101 und 103 geschlossen und mit zwei großen Fenstern versehen. Auf der anderen Seite hatten die Wagen einen Übergang ähnlich den damals eingesetzten 3yg-Umbauwagen der Deutschen Bundesbahn erhalten.  Der Einstieg war nur auf der mit dem Übergang versehenen Seite durch Falttüren möglich. Die Wagen verkehrten fortan überwiegend Übergang an Übergang als Doppelwagen-Einheit, so daß man trockenen Fußes von einem Wagen in den anderen gelangen konnte.

Die nun als 253 bzw. 254 bezeichneten Wagen erhielten den Spitznamen "Ziehharmonika". Sie waren aufgrund ihres unruhigen Laufs beim Personal und anscheinend auch bei den Fahrgästen nicht sonderlich beliebt. Dennoch wurden Sie bis zur Stilllegung der Härtsfeldbahn im Herbst 1972 eingesetzt.

Am 6. Juni 1973 wurden sie offiziell außer Betrieb gestellt und am 7. und 8. Juni 1973 nach Laichingen transportiert. Dort blieben sie abgestellt bis sie am 5. Februar 1976 für 30.000,- DM (zzgl. Mwst.) an die Schiffahrt der Inselgemeinde Langeoog verkauft wurden. Das gemeindeeigene Schiffahrtsunternehmen betreibt auch die dortige Inselbahn. Die Wagen wurden unverzüglich zur Bremer Waggonfabrik überführt, die den Aufbau um 30 cm verschmälerte und an den Enden der Wagen Scharfenbergkupplungen anbaute. Untereinander blieben die Wagen mit der Härtsfeldbahn-Kupplung verbunden. 

Seit Sommer 1976 waren die Wagen als VB 5 und 6 in blauer Lackierung auf Langeoog im Einsatz. 1994 wurde der gesamte Fahrzeugpark auf Langeoog erneuert. Dabei wurden die Wagen abgestellt. 1998 wurden Sie an den Kleinbahnmuseumsverein "Jan Klein" in Wittmund veräußert. Das Vorhaben dieses Vereins, ein kleines Eisenbahn-Museum einzurichten, scheiterte und so blieben die Wagen auf dem Gelände einer Spedition stehen. Da man dort nichts damit anfangen konnte wurden sie an eine befreundete Firma in Wilhelmshaven verkauft. Dort wollte man die Fahrzeuge als Aufenthaltsraum nutzen. Doch auch dieses Vorhaben zerschlug sich, so dass die Wagen abermals zur Abgabe standen. Über gute Beziehungen wurden die Härtsfeld-Museumsbahner auf den Verbleib der Wagen aufmerksam und so hat es sich ergeben, dass die Wagen am 3. April 2002 nach dem Motto "Einmal Schwabenland - Nordseestrand und zurück" in ihrer alten Heimat eintrafen.

Im Gegensatz zu den Wagen 11 und 12 blieben die beiden Wagen 10 und 13 unverändert im Einsatz. Im August 1961 wurden sie ein letztes Mal einer Hauptuntersuchung unterzogen. Nach Ablieferung des neuen Doppelwagens 253/254 wurden sie nicht mehr benötigt und 1963 in Neresheim abgestellt. Ende 1967 interessierte sich der Deutsche Eisenbahn-Verein in Bruchhausen-Vilsen bei Bremen für den Wagen 13. Dieser sollte angeblich etwa 100,- DM kosten. Der Wagen blieb jedoch - wie auch die Nummer 10 - in Neresheim. Die Finanzierung des weiten Transports kam leider nicht zustande. Beide Wagen standen noch 1971 in schlechtem Zustand in Neresheim. Sie sollen bei einer Feuerwehrübung warm abgebrochen worden sein. Die Reste wurden im Oktober 1971 von einer Schrottfirma abtransportiert.

Die beiden zur WEG-Nebenbahn Amstetten - Laichingen gelangten Wagen hatten wiederum ein anderes Schicksal. Ähnlich wie die Wagen für die Härtsfeldbahn wurden sie nach Ihrem Eintreffen zügig den Gegebenheiten der Nebenbahn angepaßt. Dabei erhielten sie die Nummern 6 und 7. Bereits 1957 wurden sie bei Auwärter mit neuen, modernen Wagenkästen versehen. Im Gegensatz zu dem Härtsfeldbahn-Doppelwagen behielten sie jedoch ihre Mittelachsen. 

Die Betriebsnummern wurden beim Umbau vermutlich unabsichtlich vertauscht. Aus dem Personenwagen 6 wurde Beiwagen 7 und umgekehrt. Der alte Wagenkasten mit der Nummer 7 blieb erhalten und wurde in Laichingen als Lagerraum neben den Schienen aufgestellt. Da das Personenverkehrsaufkommen zwischen Amstetten und Laichingen nicht so hoch war, genügte es in der Regel, nur einen der beiden Wagen einzusetzen.
Nachdem die beiden Härtsfeldbahn-Beiwagen 101 und 103 in Betrieb genommen worden waren, wurden beide Wagen 1978 abgestellt. Die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahn-Geschichte (DGEG), die bereits 1974 den alten Wagenkasten Nr. 7 erworben und nach Möckmühl an der Jagsttalbahn überführt hatte, erwarb nun auch die beiden Wagen.

Beiwagen Nr. 6 blieb in Laichingen und gelangte 1986 in den Besitz des Härtsfeld-Museumsbahn e.V.. Nach dem Abbruch des Wagenkastens wurde das Fahrgestell nach Neresheim transportiert, wo es heute auf dem Abstellgleis steht und darauf wartet, eines Tages wieder mit einem Wagenkasten versehen zu werden.
Der moderne Wagenkasten des Beiwagens 7 wurde 1980 abgebrochen. Das Fahrgestell und die auf 750 mm Spurweite umgespurten Radsätze wurden 1982 nach Möckmühl überführt, wo man 1983 mit der Aufarbeitung des Wagens begann. Radsätze und Fahrgestell wurden aufgearbeitet. Der alte Aufbau wurde in mühevoller Arbeit - allerdings in roter Lackierung - wieder aufgebaut. Mit Teilen ehemaliger Härtsfeldbahn-3-Achser wurde ein Abteil in den Originalzustand zurückversetzt. Das andere Abteil wurde mit einfacheren Holzsitzbänken ausgestattet.

1988 wurde der Betrieb auf der Jagsttalbahn aufgrund von Oberbaumängeln eingestellt. Der Wagen 7 der DGEG kam nie zum Einsatz. Nach Abbruch des Streckenabschnitts Möckmühl - Widdern der Jagsttalbahn war die DGEG gezwungen, ihr Domizil in Möckmühl zu räumen. Die Fahrzeuge wurden in alle Himmelsrichtungen verstreut. 

Jahrelange Bemühungen haben dazu geführt, daß der Härtsfeld-Museumsbahn e.V. den Wagen 7 von der DGEG anmieten konnte. Am 10. Oktober 1998 wurde der Wagen aus dem Schuppen in Möckmühl gezogen, verladen und nach Neresheim transportiert. Dort wurde die Renovierung des bald schon als "Salonwagen" titulierten Fahrzeugs abgeschlossen. Wagen 7 konnte erstmals wieder am 19. Mai 2001 und dann anlässlich der Eröffnung der Härtsfeld-Museumsbahn am 19./20./21. und 27./28. Oktober 2001 zur Personenbeförderung eingesetzt werden. Im Jahr 2014 erfolgte schließlich - dank eines Spenders - der Verkauf des Wagens von der DGEG an den HMB.