Der Star der Härtsfeld-Museumsbahn: Dampflok WN 12, genannt "Liesele"

Aktuelles

Die Dampflok steht seit 25 Jahren zuverlässig im Museumsbahneinsatz - das wurde bei der Bahnhofshocketse 2019 gefeiert - siehe weiter unten. Im Frühjahr 2020 hat sie eine Kessel-Hauptuntersuchung bekommen, was standardmäßig alle drei Jahre ansteht. Nachdem in jüngster Zeit Luftpumpe, Lichtmaschine, rechter Wasserstand und mehrere Druckleitungen instand gesetzt wurden, wurde die Hauptuntersuchung am 4. April 2020 durch unseren Eisenbahnsachverständigen Carsten Möckl abgenommen. Am 20. Juni 2020 fand eine Probefahrt und in Verbindung damit eine Arbeitszugfahrt statt, die zufriedenstellend verlief. Die Lok stand damit zum Einsatz ab Saisonbeginn 5. Juli 2020 bereit. 

Die Geschichte der beiden Dampfloks WN 11 und 12 ist an anderer Stelle beschrieben. 

Berichte von der Aufarbeitung "damals" finden Sie dort

Stimmungsvolle Bilder vom Einsatz der Lok gibts in der Galerie.

Technische Daten

Typ Bh2t / heute: Bn2t
Baujahr 1913
Hersteller Maschinenfabrik Esslingen
Fabriknummer 3711
Bei Härtsfeldbahn 1913 - 1965
Bei Härtsfeld-Museumsbahn seit 1986 / eingeweiht 1994
Länge über Puffer 6.180 mm
Höhe 3.600 mm
Breite 2.650 mm
Radstand 2.000 mm
Leermasse 14,5 t
Dienstmasse und Reibungsmasse 20,0 t
Höchstgeschwindigkeit 30 km/h
Treibraddurchmesser 800 mm
Steuerung Heusinger außenliegend
Zylinderanzahl 2
Zylinderdurchmesser  320 mm
Kolbenhub 360 mm
Kesselüberdruck 14 bar / heute: 12 bar
Heizrohre 86 / 2.000 mm Länge
Rostfläche 0,642 m²
Rohrheizfläche 28 m²
Überhitzerfläche 16,7 m² / heute ohne Überhitzer
Wasservorrat 1,53 m²
Brennstoffvorrat 0,5 t Kohle
Bremsbauform Einlösige Druckluftbremse Bauart Knorr mit Zusatzbremse
Bremsgewicht 10 t

 

August 2019: Jubiläum 25 Jahre Einsatz als Museumslok

Ein Vierteljahrhundert ist es nun schon her, dass die Dampflokomotive Nr. 12 der einstigen Härtsfeldbahn nach einer umfangreichen Aufarbeitung wieder in Betrieb genommen wurde. Anlässlich des Fests „Neresheimer Bahnhofshocketse“ am 10. und 11. August 2019 haben die Härtsfeld-Museumsbahner dieses kleine Jubiläum gefeiert. Mit entsprechend beschrifteter Rauchkammertür und etwas Blumenschmuck beförderte die Lok an beiden Tagen die Museumszüge auf der Strecke Neresheim – Sägmühle.
Ein Höhepunkt der Bahnhofshocketse war der Vortrag von Eva Streppel, deren Vater Adalbert Haas im Frühjahr 1965 die beiden Härtsfeldbahn-Loks 11 und 12 vor der Verschrottung gerettet hat. Es gibt sicherlich nicht viele Töchter, deren Vater mal eben eine Dampflokomotive kauft und die dann auch noch gerne bereit sind, darüber zu berichten. „Eines Freitagmorgens“, berichtete Frau Streppel unter anderem, „fehlte der Vater, das Auto, eine Tageszeitung und die nötige Erklärung dafür. Dieser Vorfall verblüffte die an Allerhand gewohnte Familie nicht sonderlich, aber es beunruhigte. Das Frühstück ließ ihr Pa aus, also musste es sich um eine sehr wichtige Sache handeln. Mit Spannung erwartete man seine Rückkehr, die erst gegen Mittag erfolgte. Ihr Paps strahlte. Das war verdächtig, denn ohne besonderen Grund strahlte der nie. Er habe eine Lokomotive, erklärte er. Ihr kleiner Bruder erfasste die Situation sofort und wollte wissen, in welcher Hand er diese habe. Aber er lächelte so infam! Er habe in der Zeitung von einer Lok gelesen, die man verschrotten wollte und die habe er gekauft! Die sofort auftauchende Frage nach seinem Befinden überhörte er wohlweislich. Nein, was er doch für ein Scherzkeks war, Tag und Nacht zum Spaßen aufgelegt! Das alles mit leerem Magen? War es am Ende gar kein Spaß? Es war keiner! Zum Beweis warf er lässig ein Stück Papier auf den Tisch: den Kaufvertrag! Die nun folgenden Beifallskundgebungen fielen individuell sehr verschieden aus. Der kleine Bruder jubelte, die Mutter war tapfer, die Tochter lauste der Affe, denn: die Zukunftsaussichten waren rosig. Der Vater war unter die Eisenbahner gegangen – naja, Großvater ist ja auch einer gewesen. Also, Sonderausgaben gestrichen, denn zweifellos hatte das Lökchen ein hübsches rundes Sümmchen verschlungen und der Speiseplan würde auf Wochen nur noch Bratkartoffeln vorsehen, denn eine Lokomotive war im Haushaltsetat sicher nicht einkalkuliert gewesen.“ Lebhaft und unterhaltsam schilderte Frau Streppel noch einige weitere Details aus den Jahren 1965/1966. Anschließend wünschte sie dem Verein weiterhin gutes Gelingen und überreichte eine beachtliche Spende, womit nun wieder etliche weitere Meter Gleis finanziert sind.

Optisch hervorragend ausgedacht, überreichte Frau Eva Streppel (rechts) am 11. August nach Ihrem Vortrag symbolisch ein Spende, mit der wieder einige Meter Gleis der kurz vor der Fertigstellung stehenden Museumsbahnstrecke Sägmühle – Katzenstein finanziert sind. (Foto: Jürgen Ranger)

Rückblick: Rettung vor dem Schneidbrenner

Bei der geretteten Lok handelt es sich um die zweite von zwei 1913 von der Maschinenfabrik Esslingen mit den Fabriknummern 3710 und 3711 eigens für die Härtsfeldbahn gebauten Loks. Lok 12 wurde nach einer Probefahrt am 11. Dezember 1913 vier Tage später in Betrieb genommen. Die Erteilung der Betriebsgenehmigung erfolgte nach einer Bereisung durch die Bahnaufsicht am 23. Mai 1914. Vermutlich am 13. Juli 1962 stand sie das letzte Mal vor einem Sonderzug offiziell in Betrieb. Am 8. September 1963 ist sie vermutlich ein letztes Mal angeheizt worden. Danach erfolgte ihre Ausmusterung.

Die letzte Fahrt von Lok 12 für die Dreharbeiten der Foto- und Filmfreunde Heidenheim am 26. Juni 1965. (Foto: Karl-Heinz Kliemann, Sammlung Adalbert Haas)

Anlässlich der Abschiedsfahrt der Lok 12 fuhren alle Fahrgäste in historischer Kleidung mit. Nach der Ankunft in Neresheim wurde für die Kameraleute des Heidenheimer Filmclubs ein historisch passender Tanz aufgeführt. 

Der Heidenheimer Architekt, Eisenbahn- und Filmfreund Adalbert Haas hat die Lok am 23. April 1965 gekauft. Am 26. Juni absolvierte sie ihre letzte Fahrt für Dreharbeiten des Heidenheimer Filmclubs – geschoben von Triebwagen T 37. Kurz danach, am 3. Juli 1965, wurde sie abtransportiert und nach einer Aufarbeitung bei der Firma Voith am 20. Mai 1966 als Kinderklettergerät auf dem Heidenheimer Galgenberg aufgestellt.

Mai 1966: Lok12 steht als Kinderspielzeug geduldig auf dem Heidenheimer Galgenberg. (Foto: Sammlung Eva Streppel) Oktober 1986: nach Neresheim zurückgekehrt, mit Ehrendame in Festtagstracht! (Foto: Werner Kuhn)


Über 20 Jahre diente Lok 12 als Klettergerät, bevor sie am 30. Oktober 1986 in ihre Heimat nach Neresheim zurück kam. Gerade noch erkennbar ist der Schmuck an der Rauchkammertür. Die Schienen, auf denen sie stand, wurden kurzerhand mit aufgeladen, auch wenn man sie nicht gerade als Schmuck bezeichnen kann.

Unser Schmuckstück

Immer wieder gibt es Jahrestage und Jubiläen zu feiern. Das Geländer am Umlauf der Lok 12 regt einfach dazu an, die Lokomotive zu schmücken, und so gab es in ihrem Leben schon des öfteren die Gelegenheit, eine geschmückte Lok 12 aufzunehmen.

Am 13. Juli 1962 war auf der Härtsfeldbahn ein von Dr. Kurt Seidel bestellter Sonderzug unterwegs. In Neresheim angekommen entstand dieses Porträt der Lok. (Foto: Sperle, Archiv Härtsfeld-Museumsbahn e.V.) Am Morgen des 11. August 2019 wartet die geschmückte Lok 12 der Härtsfeld-Museumsbahn vor der Neresheimer Lokremise auf ihren ersten Einsatz an diesem Tag. (Foto: Jürgen Ranger)

Zwischen diesen beiden Bildern liegen gut 57 Jahre, aber die geschmückte Lok steht beinahe an derselben Stelle.

Einweihung der Lok anlässlich der Bahnhofshocketse 1994  (Foto: Adalbert Haas, Sammlung Eva Streppel)

Acht Jahre nach der Rückkehr nach Neresheim, am 7. August 1994, stand Lok 12 wieder unter Dampf. Wer genau hinschaut, wird feststellen, dass noch einzelne Teile wie etwa die Fensterscheiben fehlen, doch das störte damals niemanden, denn es dampfte wieder auf dem Härtsfeld und das musste gefeiert werden.

Und natürlich war ein Blumenschmuck auch zur Eröffnung der Härtsfeld-Museumsbahn-Strecke Neresheim – Sägmühle angesagt. Der Eröffnungszug ist am 20. Oktober 2001 an der Sägmühle angekommen, und während ein paar Meter weiter ein kleiner Umtrunk stattfindet, hat das Zugpersonal eine kleine Pause zum Durchschnaufen. (Foto: Jürgen Ranger) Das vorletzte Jubiläum war der 100. Geburtstag der Lok 12. Am 10. August 2013 rangiert sie hier in Neresheim. (Foto: Jürgen Ranger)

Impressionen vom Museumsbahneinsatz

Am 27. November 1985 übernahm der Härtsfeld-Museumsbahn e.V. die Lok und transportierte sie am 85. Jahrestag der Eröffnung der Härtsfeldbahn, dem 30. Oktober 1986, nach Neresheim. Dort erfolgte ihre Aufarbeitung, wobei sie einen neuen Kessel erhielt. Am 7. August 1994 wurde die nun wieder betriebsfähige Lok feierlich eingeweiht. Die abschließende Untersuchung erfolgte allerdings erst am 26. Mai 1999 im Hinblick auf die bevorstehenden Einsätze beim Wiederaufbau der Härtsfeld-Museumsbahn-Strecke Neresheim – Sägmühle. Auf dieser steht sie nun seit dem 19. Oktober 2001 regelmäßig und zuverlässig in Betrieb. Dies ist dadurch möglich, dass notwendige Arbeiten an der Lok im Winterhalbjahr durchgeführt werden. Auch an den beiden Betriebstagen im September 2019 war Lok 12 – noch mit beschrifteter Rauchkammertür, aber ohne Blumenschmuck – pünktlich unterwegs.

Am 1. September 2019 verkehrte Lok 12 noch mit der Beschriftung an der Rauchkammertür. Nach dem Wasserfassen in Neresheim hat Lok 12 gerade an den Zug gesetzt und es wird eine Bremsprobe durchgeführt. Mit dem Signal „Lösen“ sind zwei Auszubildende zu sehen, die unter Aufsicht des ausgebildeten Personals arbeiten. (Foto: Jürgen Ranger) An der Noch-Endstation Sägmühle angekommen dürfen die Azubis wieder ran und unter Aufsicht des Lokführers umsetzen. (Foto: Jürgen Ranger)
So ganz wird der Betrieb natürlich nicht den Auszubildenden überlassen und so prüft am Bahnsteig Neresheim Lokführer Ingo Adam die Lager während sich Zugführer Gerald Stempel mit ihm abspricht. (Foto: Jürgen Ranger)  Währenddessen warten im ehemaligen Brünigbahnwagen des Baujahres 1888 die Fahrgäste geduldig und gut gelaunt auf die rasante Fahrt ins idyllische Egautal. (Foto: Jürgen Ranger) 

Am 8. September 2019 waren die Temperaturen etwas frisch, was trotz bedeckten Himmels aufgrund der herrlichen Dampfbildung zu Aufnahmen der Strecke entlang anregte. Nahe des Haltepunkts Steinmühle befindet sich eine kleine Kapelle, die mit den umliegenden Büschen einen schönen Rahmen bildet. Parallel zum Zug fährt – halb verdeckt – ein Oldtimerbus, der an diesem Tag eine Verbindung von der Sägmühle zum Bahnhofsgebäude in Dischingen herstellte. Dieses Gebäude hat der Härtsfeld-Museumsbahn e.V. im Jahr 2005 erworben und äußerlich renoviert. Es kann einmal jährlich anlässlich des Tags des offenen Denkmals sowie für angemeldete Gruppen besichtigt werden. Das zweite Bild wurde kurz vor Erreichen des Bahnhofs Sägmühle aufgenommen. (Beide Fotos: Jürgen Ranger)