Härtsfeldbahn Modelle satt

Denkmalbahnhof Dischingen, feine Modelle und Rollout WN 12 in IIm


Wie angekündigt, fand der Modellfahrtag in Dischingen anlässlich des Tags des offenen Denkmals tatsächlich statt. Das ist schon besonders erwähnenswert, denn das ist in diesen Zeiten gar nicht selbstverständlich. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hatte ja überall kommuniziert, dass der Denkmalstag nur virtuell stattffinden werde, weil da ja Millionen Menschen zusammenkommen würden …. Nun, bei der Härtsfeld-Museumsbahn in Zusammenarbeit mit der IG Spur II hat man die Veranstaltung realiter durchgeführt, mit echten Menschen, echtem Einsatz, mit echten großen Museumsfahrzeugen und mit hervorragenden Modellen in IIm. Wie immer haben Achim Weisbach und Werner Kuhn das Bahnhofsgebäuder herausgeputzt und vorbereitet. Die Organisation der Modellanlage war zwar schwierig, einige Mitstreiter der Stamm-Mannschaft mussten wegen Corona absagen, aber Axel Tischendorf, Dieter Schiede, Hans-Ulrich Bosch und Walter Gekeler blieben "bei der Stange". Es gelang aber doch, rechtzeitig alles aufzubauen. Vor Allem dank des tatkräftigen Einsatzes einiger neuer Mitstreiter: Heizer Michael Ebert vom HMB, oder Harald Buchholz, Nachbar des Organisators, der mit seinem Schwedenlaster den Materialanhänger mit der Anlage von Gerhard Schneider transportierte und fest mit anpackte, und Gabi Anger, im HMB aktive Partnerin eines Härtsfeldbahners, die eifrig Gleise verlegte und Schienenlaschen schraubte und Betrieb machte: sie ist nun im kleinen Maßstab "angefixt",  und hat Ihre Einstellung vom "Modellbahn in meinem Garten? Nie!" nun zum: "wie schön! Das macht doch so Spaß, lass uns mal schauen!" umgeschwenkt. Eine schöne Erkenntnis: Mitmachen macht am meisten Spaß! Vielen Dank an dieser Stelle Allen, die mitgeholfen und mitgespielt haben.

Es hat sich also bewährt, gegen alle Widerstände und mit allen Einschränkungen doch zusammenzukommen! Die Museumszüge waren gut besetzt und fuhren von Neresheim nach Sägmühle, der Oldtimer-Omnibus „Sonja“ stellte die Verbindung vom Bahnhof Sägmühle zum Bahnhof Dischingen her. Viele Straßen-Oldtimerfahrzeuge bzw. ihre Fahrer fanden den Weg nach Neresheim und Dischingen. Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude war geöffnet, und über allem strahlte die Sonne von einem makellos blauen Himmel. Genial!

Die Biertische zum Niveauausgleich auf Stelzen, Bahnübergangsszene an der Strecke

Die Modellanlage wird ja jedes Jahr ab Freitag auf Biertischen aufgebaut. Darauf werden fliegend die Gleise von Gerhard „Fido“ Schneider verlegt, Code 250 mit von ihm gefertigten vorbildgetreuen verschraubten Schienenlaschen – funktioniert prima! Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er trotz coronabedingter Abwesenheit seine Anlage zur Verfügung gestellt hat und extra doch herkam um die Digitalzentrale zu reparieren. Am Sonntag erfolgen dann noch Ausgestaltungen mit lustigen Szenen: der Bahnübergang, an dem der Landwirt mit seinem Gespann das Pfeifen der Lok ignoriert, die Gleisbaustelle, die immer mit SH 2 den Zug zum Anhalten zwingt, der steinige Albacker, aus dem die Bäuerin die mühselig gezogenen Kartoffeln birgt, während der Bauer zuschaut …

Die Fahrzeuge wurden diesmal im Wesentlichen von Dieter Schiede, dem bekannten Kleinserienhersteller, und von Walter „Max 25 kmh“ Gekeler gestellt, der stolz seine Eigenbauten von Modellen nach Vorbildern der Härtsfeldbahn vorzeigte. Er erklärte jedem, der es hören wollte (und auch denen, die nicht ) was alles selbst hergestellt, beweglich und gefedert ist - Achsen, Puffer, Kupplungen, Kurbelbremsen, Wagenübergänge, alle Türen, und alle Fenster, die richtig mit Riemen „nuff, nei, nonder“ zu öffnen sind. Im Packwagen sitzt der Postbote an einem Regal, auf dem alle Stationen der Härtsfeldbahn zu lesen sind, und der Hund im Hundeabteil hat auch seinen Napf. Auch die Echtdampf Malletlokomotive WN 1 hat brav ihre Züge gefördert.

Echtdampf Mallet WN 1 mit Zug abfahrbereit in Dischingen

Auch „große“ Modelle der Museumslok wurden gezeigt: Siegfried Baum präsentierte seine neue WN 11 (Akku/RC) in 1:11 mit seinem Fabrikschild „trotz Corona“, und ein Modell in 1:5,6 war auch als Standpräsentation zu sehen.

Das eindeutige Highlight dieses Jahr war aber die Vorstellung des Handmusters des Modells der WN 12 der Firma KM1. Herr Krug war mit seiner Mannschaft extra angereist, um die Technik im Betrieb zu prüfen und Fotos zu schießen: in Neresheim mit dem Vorbild zusammen, und in Dischingen auf der Anlage fahrend und mit Modellzug im besten Fotografierlicht. Andreas Krug zeigte sich stolz und froh, ist es doch sein mutiger Einstieg in die Baugröße IIm. Das Modell ist wunderschön detailliert, jede noch so kleine Ölleitung in Kupfer, alles genau maßstäblich und da, wo es hingehört, alle Türen beweglich. Das Kirscherl auf‘s Krapferl ist die sich bewegende Anlenkung der Zentralschmierung von der Hinterachse ins Führerhaus. Haben will! Es wurde eine Sammelbestellung aufgenommen. Man darf sehr gespannt sein, welche Modellfahrzeuge denn zur Ergänzung noch folgen werden. Die anwesenden Modellbauer haben sich da mit Rat und Wünschen nicht zurückgehalten …. Nach dem Wilhelm Busch Motto „Sei still, mein Freund, schwöre nicht so wild,/ und hüte Deine Zunge!/ Ein jeder Wunsch, sobald erfüllt, / kriegt augenblicklich Junge!“

WN 12 von KM1; Packwagen von Dr. Walter Gekeler und Heuwagengespann (Pola) von Axel Tischendorf 

Groß und Klein (Bahnhof Aalen GBf. von Hans-Ulrich Bosch, WN 12 von KM 1, PW 23 und Liblarer Wagen WN4 von Dr. Walter Gekeler, Herbrandwagen WN 1 von Dieter Schiede) treffen sich

Am Sonntagabend wurde dann in nur drei Stunden alles wieder abgebaut und verstaut. Die Härtsfeldbahner in Vorbild und Modell waren hochzufrieden. Erschöpft, aber glücklich sanken die Eisenbahner nach gebührendem Abschlußessen in die Betten.

Text und Fotos: Dr. Walter Gekeler.